"Wie viel muss ich selbst, da ich mich nicht als von meiner 'Glaziologie in Bildern' abgekoppelter aufgeklärter Urheber verstehe, über die Eigenschaften der Kyrosphäre und ihre Reaktionen auf die Erderwärmung wissen, um entgrenzende, nicht begrenzende Fotografien herzustellen? Welche künstlerische Haltung, wenn nicht Demut, sorgt vor, dass ich mich nicht über den Gegenstand erhebe, sondern bei ihm bleibe?"
DANIEL SCHWARTZ: Unterwegs zu den Gletschern der Welt. Berlin : Galiani, 2026, 244
"Weil aber auch mein eigenes Feld, die Fotografie als Industrie und ihre Kunst als Markt, in herrschende Machtverhältnisse gebettet ist, mein Vorsatz, der Natur nicht als Objekt, sondern als Subjekt und verletzlicher Grösse zu begegnen.
Zuweilen sehe ich dabei im eigentlich Schlimmen auch unerwartet Schönes. Vielleicht geht es mir dabei wie den Blättern des Baumes, die nicht wissen, ob sie den Wind bloss wahrnehmen oder ihm antworten."
Zuweilen sehe ich dabei im eigentlich Schlimmen auch unerwartet Schönes. Vielleicht geht es mir dabei wie den Blättern des Baumes, die nicht wissen, ob sie den Wind bloss wahrnehmen oder ihm antworten."
Ebd., 248
"Thukydides sagt, 'dass im menschlichen Verhältnis Recht bei Gleichheit der Kräfte [gilt], doch das Mögliche der Überlegene durchsetzt, der Schwache hinnimmt'.
Dieser Schwache erleidet, was er muss im Krieg - in dem des Attischen Seebundes gegen das neutrale Milos 416 v. u. Z. und heute am Rand der Nato in der Ukraine; im Sudan, in Myanmar und an jedem von ihm heimgesuchten Ort, wo die Gleichheit der Kräfte ein unbekannter Zustand ist oder bestenfalls eine Erinnerung."
Ebd., 259
"Meine Fotografie hingegen löst den Gletscher aus dem Berg wie das Skalpell einen Fetzen verbrannte Haut vom Körper eines Kriegsversehrten. Die fotografische Aufnahme ist, was sie immer ist - eine Aufzeichnung von Verlust."Ebd., 261
