Donnerstag, April 16, 2026

"Bruno, dieser Typ und alle anderen Typen in Camarillo waren überzeugt. Wovon, willst du wissen? Ich weiss es nicht, ich schwöre dir, aber sie waren überzeugt. Von dem, was sie waren, nehme ich an, von dem, was sie wert waren, von ihrem Diplom. Nein, das stimmt nicht ganz. Es gab einige, die waren bescheiden und hielten sich nicht für unfehlbar. Doch selbst der Bescheidenste fühlte sich sicher. Das war es, was mir auf die Nerven ging, Bruno, dass sie sich sicher fühlten. Sicher welcher Sache, möchte ich mal wissen, wo ich, ein armer Teufel mit mehr Seuchen unter der Haut als der Leibhaftige selbst, hinreichend beieinander war, um zu spüren, dass alles eine Art Gallert war, dass alles um uns herum zitterte, man brauchte nur ein wenig aufmerksam zu sein, ein wenig in sich hineinzuhören, ein wenig zu schweigen, um die Löcher zu entdecken. In der Tür, im Bett: Löcher. In der Hand, in der Zeitung, in der Zeit, in der Luft: alles voller Löcher, alles wie ein Schwamm, wie ein Sieb, das sich selbst siebt ... Doch sie waren die amerikanische Wissenschaft, verstehst du, Bruno? Der weisse Kittel schützte sie vor den Löchern; sie sahen nichts, sie sahen nur, was andere schon gesehen hatten, und sie bildeten sich ein, sie sähen. Natürlich konnten sie da die Löcher nicht sehen, und sie waren sehr selbstsicher, ganz überzeugt von ihren Rezepten, ihren Spritzen, ihrer verdammten Psychoanalyse, ihrem Rauchen Sie nicht und ihrem Trinken Sie nicht ... Ah, der Tag, als ich endlich gehen konnte, in den Zug steigen, durch das Abteilfenster sehen, wie alles rückwärts lief, in Stücke brach, ich weiss nicht, ob du gesehen hast, wie die Landschaft zerbricht, wenn du siehst, wie sie sich entfernt ..."
JULIO CORTAZAR: Der Verfolger. In: [Ders.]: Die geheimen Waffen : Erzählungen. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1981. (suhrkamp taschenbuch ; 672), 149 

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite