Dienstag, Juli 14, 2026

"Schweigen erspart einem die mitunter destruktive Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit. Das lässt sich auch bei uns beobachten. Dass wir heute kaum mehr wirklich über die Zeit der Corona-Pandemie reden, ist auch so eine Art Selbstschutz. So, wie sich eine Generation von Aktivdienstlern davor schützte, zu genau auf das Verhalten des eigenen Landes im Zweiten Weltkrieg zu schauen.
Dabei bewegt man sich in einer Grauzone. Wo ist das Vergessen konstruktiv und nötig? Wo wird die Rechenschaft für begangenes Unrecht verweigert? Schuld ignoriert? [...] der Faktor Zeit. Irgendwann kommt die Aufarbeitung, zwangsläufig.
[...] Solange die eigenen Fehler irgendwann reflektiert und aufgearbeitet werden (die grossen und die kleinen), darf zuerst auch etwas verschwiegen werden."
PHILIPP LOSER: Vergessen ist gesund (manchmal). In: Das Magazin, 2026, No. 28-32, 11. Juli 2026, 4

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